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Übersetzen als Ehrenamt?

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Übersetzen als Ehrenamt?

Nachdem das „ehrenamtliche Übersetzen“ bzw. „Übersetzen für lau“ bereits im April Thema bei dem Monatstreffen der Regionalgruppe der Regensburger Übersetzer und Dolmetscher war und dort mit großem Interesse besprochen wurde, soll es hier nochmals intensiver beleuchtet werden.

Viele Übersetzerinnen und Übersetzer bzw. Dolmetscherinnen und Dolmetscher sind sicherlich gerne und auch sehr engagiert ehrenamtlich tätig. Sie setzen sich beispielsweise für Vereine in ihrer Region oder für die Flüchtlingshilfe ein oder helfen unter Umständen auch bei guten Freunden einmal mit ihren Fremdsprachenkenntnissen aus. Doch mittlerweile hört man immer wieder, dass auch Städte und Kommunen für ihre Zwecke Übersetzer suchen, die bitteschön für „lau“ arbeiten sollen, um ihre Verbundenheit mit der Stadt oder Region unter Beweis zu stellen.

Dies ist aus mehreren Gründen problematisch. Zunächst einmal herrscht leider die weit verbreitete Meinung, dass jeder, der ein bisschen Englisch, Spanisch oder eine andere Fremdsprache kann, auch übersetzen kann. Doch dies ist durchaus nicht der Fall. Übersetzen will gelernt sein und ist ebenso ein Beruf wie beispielsweise Arzt/Ärztin, Ingenieur/Ingenieurin oder Lehrer/Lehrerin. In den meisten Fällen haben Übersetzerinnen und Übersetzer diesen Beruf in einem mehrjährigen Universitätsstudium erlernt und dafür am Ende einen akademischen Grad erlangt. Übersetzen will gelernt sein und ist harte, qualifizierte Arbeit, die in der Regel auch zweisprachig aufgewachsene Personen nicht automatisch ohne eine entsprechende Ausbildung ausführen können.

Zudem ist es riskant, Übersetzungen von Laien vornehmen zu lassen, die vielleicht einmal einen Fremdsprachenkurs absolviert oder vielleicht im Ausland gelebt haben, denn ihnen sind häufig nicht die Anforderungen des professionellen Übersetzens bewusst. Somit läuft man Gefahr, in sensiblen Bereichen durch unqualifizierte Übersetzer Nachteile – auf finanziellem Bereich, in Sachen Reputation usw. – zu erleiden.
Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass natürlich auch Übersetzer von etwas leben müssen, Kosten haben und somit Einnahmen benötigen. Auch Übersetzer müssen die Miete bezahlen, Essen einkaufen, Kinder versorgen und vieles mehr. Dabei haben sie als Selbstständige häufig nicht einmal einen Arbeitgeber, der die Hälfte der Krankenversicherung bezahlt.

Durch die „Geiz ist geil“- und „am besten-alles-umsonst-haben“-Mentalität nimmt man professionellen Übersetzern die Möglichkeit, ein angemessenes Einkommen zu erzielen, und wertet gleichzeitig den Beruf als solchen stark ab. Es ist nicht zu verstehen, warum diese Einstellung gerade in der Branche der Übersetzungsdienstleistungen so stark um sich greift.

Was würde denn passieren, wenn jede Kommune, jede Stadt, jede Organisation und jede Struktur nur noch auf Ehrenamtliche zurückgreifen würde? Ehrenamt ist ja an sich schön und gut. Die Grenze ist jedoch dort erreicht, wo das Ehrenamt bezahlte Berufe ersetzt. Und das ist leider immer häufiger zu beobachten. Es fängt an bei Feuerwehr, Rettungsdienst und Betreuung für ältere Menschen und geht eben bis hinein in den Bereich Übersetzen und Dolmetschen. Wir alle brauchen nicht nur das Geld zum Leben, sondern sollen doch auch gut und professionell arbeiten. Warum sollte man das tun, wenn man dafür keine Gegenleistung erhältt? Etwa, weil das in einigen Branchen Tradition hat? Muss man es deshalb in Ordnung finden und auch für den Beruf der Übersetzer und Dolmetscher übernehmen? Wenn man es genau betrachtet, ist es eine Schande, dass in Deutschland Feuerwehrleute und andere auch in Kommunen mit einem gut ausgestatteten Budget ehrenamtlich arbeiten müssen, statt ordentlich bezahlt zu werden. Eine solche Denkweise sollten wir als Übersetzerinnen und Übersetzer nicht unterstützen. Wir sollten uns wieder mehr dafür einsetzen, dass der Beruf des Übersetzers und Dolmetscher stärker gewürdigt und als das betrachtet wird, was er tatsächlich ist: Eine qualifizierte Tätigkeit, die eine solide Ausbildung, regelmäßige Weiterbildung und umfangreiche Erfahrung erfordert.
 

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