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Gendergerechte Sprache – Luxus oder Notwendigkeit?

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Die Frage, wie sinnvoll bzw. notwendig eine geschlechtergerechte Sprache ist, ist bereits seit längerer Zeit auch in den Mainstream-Medien angekommen.
Zunehmend bemerkt man auch in Radio- und Fernsehnachrichten das Bemühen um eine gendergerechte Sprache. Verwendet werden geschlechterneutrale Oberbegriffe wie „Menschen“ oder auch Partizipialkonstruktionen wie „Demonstrierende“ oder „Studierende“. Auch die Nennung beider Geschlechter („Leserinnen und Leser“) ist sehr gebräuchlich, wenn auch manchmal etwas sperrig.
Wenn man genau hinhört, sprechen immer mehr Moderatorinnen und Moderatoren in Beiträgen und Nachrichtensendungen mit „Gender-Gap“, also dem Glottisschlag vor der weiblichen Endung. War dies bis vor Kurzem noch die Ausnahme, werden Doppelnennungen und das „Sprechen mit Lücke“ immer mehr zur Normalität, die eigentlich kaum mehr jemanden irritiert.
In Printmedien taucht zunehmend ein Gendersternchen („Unternehmer*innen“) oder ein Gender-Doppelpunkt („Unternehmer:innen“) auf, da auch diese Medien über Menschen jeden Geschlechts berichten und sie auch gleichermaßen ansprechen möchten, ohne jemanden auszuschließen.
Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, im Deutschen zu „gendern“.
Beim Klassiker unter den genderneutralen Formulierungen werden die männliche und die weibliche Form gemeinsam genannt, wobei die weibliche Form zumeist den Vortritt erhält („Liebe Kundinnen und Kunden“). Diese „Paarform“ kann sich vor allem beim Sprechen ziemlich lang gestalten und verursacht Wortwiederholungen, die in einem Text oft unschön wirken. Andererseits ist sie gut verständlich und wird auch von Menschen akzeptiert, die dem Gendern weniger aufgeschlossen gegenüberstehen.
Eine weitere praktische Lösung ist auch die geschlechtsneutrale Formulierung (Interessierte, Personal, Leute). Der Nachteil ist, dass dies nur bei relativ wenigen Wörtern funktioniert und die Ansprache häufig unpersönlich wirkt.
Eine Möglichkeit ist auch die Rollenverteilung, d.h. man wechselt mit dem grammatikalischen Femininum und Maskulinum ab („Die Nutzerin und der Kunde können…“). Da diese Form noch eher ungewohnt ist, kann das Problem auftreten, dass uns das generische Maskulinum zwar neutral erscheint, wir bei der femininen Form aber oft an ausschließlich weibliche Personen denken.
Eine weitere beliebte Lösung im Printbereich ist – wie oben erwähnt – die genderneutrale Formulierung mithilfe von Gendersternchen, Unterstrich oder Doppelpunkt. Diese hat den Nachteil, dass mitunter der Lesefluss gestört wird, der Text unübersichtlicher wird oder Wörter auseinandergerissen werden.
Diese Beispiele zeigen, dass es vielfältige Möglichkeiten gibt, geschlechtergerecht zu formulieren. Diese müssen auch nicht notwendigerweise umständlich oder unnötig lang sein, wenn man die richtigen sprachlichen Strategien verfolgt. Je nach Text oder Kontext kann entschieden werden, welche Lösung im Einzelfall die passende ist.
Natürlich muss man aber bereit sein, sich von ein paar bestehenden Formulierungsgewohnheiten zu verabschieden und mit der Sprache bewusst und kreativ umzugehen. Denn Sprache bildet die Wirklichkeit nicht nur ab, sondern formt sie auch. Auch zum Beruf der Übersetzerin/des Übersetzers und der Sprachmittler gehört es, bewusst und sensibel mit Sprache umzugehen.
 

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